„ ... Thüringen Thüringen Thüringen
ist eines von den schwierigen Bundesländern,
denn es kennt ja keiner außerhalb von Thüringen.
Im Thüringer Wald, da essen sie noch Hunde
nach altem Rezept zur winterkalten Stunde,
denn der Weg zum nächsten Konsum ist so weit
zur Winterszeit, zur Winterszeit …“
Im Gegensatz zu Rainald Grebe (s.
Auszug seines Thüringen-Liedes) hatte ich mich bis zu einem
spontanen Ausflug noch nie zuvor mit Thüringen beschäftigt.
Zuallererst fielen mir Thüringer Rostbratwürste ein. Die
Vorstellung allerdings, wie viele fleischverarbeitende Betriebe (ggf.
mit Hundeschlachtanlage) in diesem Bundesland existieren müssen, um
alle Welt mit Würsten zu beglücken, ist nicht sehr schön. Wie ich
nun aber weiß, müssen Thüringer Roster-Schweine gar nicht aus der
Region stammen. Die typische Gewürzmischung ist namensgebend und
original thüringisch. So viel dazu.
Was gibt es noch? Fiktive mittelalterliche
Dichterwettstreite auf der Wartburg, Weimarer Klassik und Jena –
das Zentrum der Romantik? Schlimme Erinnerungen an die
Einführungsveranstaltungen der Germanistik! Irgendetwas muss dieses
Bundesland jedoch besonders machen. Nicht umsonst zieht es immer
wieder Kunstschaffende an.
Die Suche
nach diesem „Besonderen“ begann in Weimar. Abgesehen
von der ständigen Konfrontation mit Herrn Goethe und Herrn
Schiller (Plätze, Cafés, Statuen, Schillerlocken und Goethe mit
Decke), was irgendwann wirklich nervt, gibt es in Weimar so einiges
zu entdecken. Am besten ist, dass alles abgelaufen werden kann. Guter
Ausgangspunkt dafür ist der Hauptbahnhof. Die Besucher können sich
an der schicken Architektur (z.B. Stadtschloss, Nationaltheater,
Fakultäten der Bauhaus-Universität) erfreuen, durch die kleinen
Gässchen oder den Ilmpark schlendern und dabei die ehemaligen
Wohnhäuser Goethes, Schillers und Liszts passieren. Wer keine Lust
hat, die Bleibe längst verstorbener Persönlichkeiten zu
besichtigen, dem sei das Bauhaus-Museum ans Herz gelegt, um einen
anderen wichtigen Aspekt Weimars kennenzulernen – die
Bauhaus-Tradition. Dort bekommt man alle wichtigen Infos zum
Staatlichen Bauhaus sowie Exponate u.a. von Gropius, Feininger oder
Klee präsentiert. Alles in allem wirkt Weimar sehr lebendig, modern
und vor allem authentisch. Eine Stadt, die es schafft, alt und neu
stilvoll zu verknüpfen. Durch die Bauhaus-Universität und die
Musikhochschule ist Weimar reich beschenkt mit bunten und kreativen
Köpfen, die das Stadtbild nach und nach vom abgeschmackten
Goethe-Image befreien. Momentan gibt es zum Beispiel ein winziges
Pop-up-Restaurant namens „Lücke“ in Weimar, welches von
Bauhaus-Studenten komplett selbst gestaltet wurde. Seht selbst Ein einzigartiges Projekt!
Literatur, Design, Architektur, Musik,
das alles kommt nicht zu kurz bei einem Besuch dieser Stadt. Doch bei
aller Schöngeistigkeit sollte man die dunkle Seite der deutschen
Geschichte nicht außer Acht lassen. Die Buslinie 6 ab Goetheplatz
führt den Besucher an einen Ort, an dem selbst bei Sonnenschein
beißende Kälte herrscht. Dazu muss man jedoch erst einmal den
richtigen Bus erwischen. Die Buslinie 6 fährt im Wechsel zum Schloss
Ettersburg und zur Gedenkstätte Buchenwald. Hat man den falschen Bus
erwischt, ist das nicht schlimm. Das stattliche Schloss ist nett
anzuschauen und von dort aus kann man gut zum damaligen
Konzentrationslager Buchenwald laufen. Eine „Wanderung“, um sich
mental auf die Gedenkstätte vorzubereiten. Die heutige
Weitläufigkeit des Geländes, die drückende Stille, die alten
Gebäudekomplexe schnüren einem die Kehle zu. Es bedarf nicht mehr
Worte, denn das vor Ort herrschende, beklemmende Gefühl, welches
jeden auch nur halbwegs empathischen Menschen sofort befällt, kann
kaum beschrieben werden. Der Eintritt ist frei. Die Fahrt von
Buchenwald zurück nach Weimar dauert in etwa 20 Minuten. Am
Hauptbahnhof kann bequem das Fortbewegungsmittel gewechselt werden,
um noch einen weiteren interessanten Ort Thüringens – nämlich
Jena – kennenzulernen. Innerhalb weniger Minuten ist man schon da.
Jenas Stadtbild ist etwas weniger
umwerfend, aber auch hier hat sich eine junge kreative Szene
entwickelt, die die Stadt aufleben lässt. Allein so viel Streetart
wie in den Straßen dieser Universitätsstadt (größte Uni in
Thüringen) habe ich lange nicht gesichtet. Schön! Die
Inszenierungen des Theaterhauses Jena überzeugen. Auch ein 3 €
teurer Blick vom Jentower empfiehlt sich! Natürlich lässt sich auch
noch in dieser Stadt der Name Goethe vermarkten. So existiert zum
Beispiel die Goethe-Galerie auf der Goethestraße. Furchtbar.
Ich weiß nicht, was Erfurt, Eisenach,
Gera, Nordhausen etc. noch so zu bieten haben. Und ob sie im
Thüringer Wald tatsächlich Hunde essen, konnte ich bisher auch
nicht herausfinden. Gründe genug, um irgendwann noch einmal
zurückzukommen nach Thüringen Thüringen Thüringen...
| Weimar Gerberstraße |
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| Weimar Gerberstraße 3 |
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| Weimar, Brücke über die Ilm |
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| Goethe und Schiller vor dem Nationaltheater Weimar |
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| Weimar |
| Landschaft um den Ettersberg |
| Gedenkstätte Buchenwald |
| Gedenkstätte Buchenwald |
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| Gedenkstätte Buchenwald |
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| Gedenkstätte Buchenwald |
| Jena, Theaterhaus Jena |
| Jena Streetart |








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